Einen Augenblick mit … Gerhard Schröder

13.09.2005, Lustgarten, Potsdam

Die sanfte Abenddämmerung des Spätseptemberdienstags legte sich über den Lustgarten zu Potsdam. Hohe, schmale SPD-Flaggen säumten den Platz im Zentrum, leuchteten vor dem Tiefblau des Abendhimmels. Tausende Anhänger hatte sich in Potsdams historischer Mitte zusammengefunden, um Bundeskanzler Schröder und Ministerpräsident Platzeck zu hören. Am Rande brutzelten Bratwürste, es roch nach Bier und zwischen Imbissstand, roten Brötchenkörben und Kästen flackerte der Bildschirm über dem Horizont: SPD. Vertrauen in Deutschland.

Schröder stand in der Ferne, strahlend weiß im hellen Spot der Scheinwerfer.  Die SPD lag in den Umfragen abgeschlagen hinter der Union.Der Bundeskanzler musste kämpfen. Er krempelte sich die Hemdsärmel nach oben, sprach mehr mit der geballten Faust mehr als mit Wörtern. Er ackerte, umwarb seine Wähler und Zuhörer, verteidigte seine Agenda 2010. Noch war die Wahl war nicht entschieden.
Später, als sich die Masse löste, leichte Popmusik den Abendhimmel füllte, stand ich an einem kleinen Zaun am Seitenausgang der Bühne. Mit breiten, schweren Schritten kam Schröder um die Ecke. Er lachte, grüßte, griff nach fremde Händen, schaute mürrisch ernst und erheitert zugleich. Für Sekunden greifbar nah, authentisch, echt. Ein Mann des Volkes, an diesem Tage kein der Genosse der Bosse, fern der Eitelkeit des Gewählten, war Schröder wieder ein Arbeiter, die SPD, eine Volkspartei und die Sozialdemokratie ein Versprechen für die bessere Zukunft. Zum vorerst letzten Mal.