RISS IN DER ZEIT

Die Landschaften des Ersten Weltkrieges

„Die Hoffnung auf einen kurzen Krieg, der wie ein Sommergewitter über das Land zieht, den langfristigen Kulturverfall überwindet und die Nation zu neuem Glanz führt, starb am Ende des Jahres 1914. Der Frontsoldat des 1.Weltkrieges lebte im extremen Gegensatz von wochenlangen Aufenthalten in regenüberfluteten Schützengräben und der Idylle friedlicher Einquartierungen; Naturerlebnissen von überwältigender Schönheit und apokalyptisch zerstörten Landschaften; von brüllenden Schlachten bei Tag und der Totenstille nächtlicher Wachen. Vergangenheit und Zukunft standen in keinem Zusammenhang mit der Gegenwart; Zufall und Schicksal waren die prägenden Signaturen im Dasein des Soldaten. Dem Warten auf Sieg und Frieden zu Beginn des Krieges folgte ein Aussetzen, ein Abbruch der Zeit überhaupt. Ein Riss, epochal in der Geschichte und noch immer eindrücklich sichtbar in der Geografie der einstigen Schauplätze in der Gegenwart.“
(Inspiriert von Prof. em. Dr. Lucian Hölscher, Sueddeutsche Zeitung)